Seit 1910 spielt die SpVgg Fürth im Sportpark Ronhof. Über hundert Jahre spielt das Kleeblatt am selben Ort - so lange wie kein anderer Profiverein. Und das, obwohl anderenorts seelenlose 0 8 15 Arenen wie Pilze aus dem Boden schießen und für diese Tempel oftmals traditionsreiche Spielstätten einfach aufgegeben werden. Arenen, die sich kaum noch voneinander unterscheiden, Betontempel ohne Flair, mächtige Klötze in der Pampas - oftmals nur noch an Fans und Farben zu unterscheiden. Der Sportpark Ronhof krasses Gegenteil. Außenseiter. Grund genug, mal einen Blick auf die bewegte Geschichte unseres altehrwürdigen Stadions zu werfen und damit das häufig unbedacht als "alt, unmodern, zusammengeschustert, häßlich" oder anderweitig bezeichnetes Stadion in ein anderes Licht zu rücken. Unsere Heimat ist ein Unikat - unsere Heimat ist der Ronhof!

Als alles begann

Egal ob Schießanger oder Vacher Straße – bis 1910 spielte die Spielvereinigung nirgends besonders dauerhaft. Vom Schießanger wurde man von der Stadt vertrieben, in der Vacher Straße (damals gepachtet für 370 Mark im Jahr) machte das gelegentliche Hochwasser Probleme. Umso erfreulicher war es, als der Verein im Februar 1910 endlich für 32.000 Mark - unter anderem finanziert durch 5-Mark-Schuldscheine - einen eigenen Platz bekam: 40.000 Quadratmeter umfasste der „Sportplatz am Ronhofer Weg gegenüber dem Zentral-Friedhof“, wie er offiziell genannt wurde. Vor 8.000 Zuschauern wurde er bei klassischer Musik durch eine Musikkapelle beim Spiel gegen den amtierenden Meister Karlsruher SC (2:2) eingeweiht. Die Eintrittspreise lagen zwischen 50 Pfennig und 1,20 Mark, ein Fußball kostete etwa 10 Mark. Im Vergleich zum heutigen Stadion war die Ausstattung relativ einfach: Eine Holztribüne mit Sitzplätzen, drei Reihen Stehplätze und weitere Stehplätze auf geschütteten Erdwällen – die SpVgg war zu dieser Zeit im Besitz der größten deutschen Sportanlage. Wer beim Stadionbesuch heute den noch erhaltenen Wall zur Nord hochläuft oder den unbebauten Bereich zwischen Nordtribüne und VIP-Nord anschaut, kann diese Wälle durchaus noch erahnen.

Alle Fürther fußballbegeistert

Dass man in Fürth eine Tribüne einreißt, weil sie zu klein ist, mag nicht unbedingt ins heutige Bild eines Färdders passen. Doch 1911 war dies der Fall: Die Holztribüne wurde doppelt so groß und bot nun etwa 700 Zuschauern Platz (Bild davon auch im Traditions-Video). Insgesamt fasste der „Sportpark Ronhof“ zu dieser Zeit 10.000 Zuschauer – weitaus mehr Fürther wollten die Spiele allerdings sehen. So setzte ein Aufschwung des Fußballs in Franken ein und die Kleeblatt-Elf um englischen Trainer William Townley wurde 1914 deutscher Meister. Eine Euphorie zog durch die komplette Kleeblattstadt!

1919/1920 wurde der Ronhof nochmals vergrößert (Bilder oben) – 25.000 Zuschauer fasste das Stadion. Auf jeder Stufe standen die Kleeblatt-Fans in doppelter Reihe um der SpVgg zuschauen zu können.

Dunkle Zeit für den Ronhof – aber es ging weiter


Düster sah es während des zweiten Weltkriegs aus: Eine Fliegerbombe hatte die Tribüne im April 1945 komplett zerstört. Ein schwarzes Kapitel für den Sportpark Ronhof. So gingen auch zahlreiche Dokumente, Urkunden und Pokale durch das Feuer verloren. Doch es ging weiter: Es folgte an gleicher Stelle eine unüberdachte Behelfstribüne (Bild oben). Erst 1951 wurde die Haupttribüne neu gebaut. Diese steht – mit Veränderungen (z.B. an den Dachstützen) – auch heute noch (Bild unten).




Im selben Jahr gab es außerdem einen Besucherrekord: 30.000 Zuschauer kamen gegen den Blubb – einige Absperrungen vielen dem Ansturm zum Opfer – das Spiel verlief allerdings friedlich.




 

 

Schuldenlast und Verkauf des Grundstücks

Eine folgeschwere Entscheidung hatten die Verantwortlichen der Spielvereinigung Fürth in den 1980er Jahren zu treffen: Der Verein war stark verschuldet, die sportlichen Höhenfluge längst Vergangenheit. In der Not wurde das Vereinsgrundstück 1983 an Horst Brandstätter veräußert (Besitzer des Spielwarenherstellers Playmobil), was für eine deutliche finanzielle Entlastung sorgte (12 Millionen Mark brachte das Grundstück - nach Abzug der Verbindlichkeiten waren davon 6 Millionen Mark übrig). Folgeschwer vor allem in der Hinsicht, dass das Kleeblatt nicht mehr Grundstücksbesitzer war und ist, was bis heute Auswirkungen hat: Zwar wurde und wird der Pachtvertrag regelmäßig verlängert, jedoch ist es nie möglich, längerfristig zu planen und größere Bauprojekte (bzw. dauerhafte Bauprojekte) in Angriff zu nehmen. Stahlrohrtribünen, Modulbauweise - die Folgen sind auch gegenwärtig noch zu erkennen. Gerade auch Fördergelder blieben dem Kleeblatt deshalb oftmals verwehrt und alles musste aus eigenen Mitteln finanziert werden.


Bereit für die zweite Liga

1997 war es soweit: Nach Jahren in den unteren Ligen folgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Damit verbunden waren auch neue Anforderungen an das Stadion: In kürzester Zeit musste ein modernes Stadion mit Flutlicht und Blocktrennung aus dem Boden gestampft werden – der altehrwürdige Ronhof erfüllte die Auflagen nicht mehr. Innerhalb von acht Wochen entstand so die Gegengerade mit Teflon-Dach und die Nordtribüne aus Betonelementen (und Schwingungsdämpfern ) und eine Anzeigewand wurde aufgebaut. Die Südtribüne blieb zu diesem Zeitpunkt bis auf die Blocktrennung unverändert – ebenso der Block 1 mit 700 Stehplätzen. 1999 planierte die SpVgg dann auch die Südkurve und ersetzte sie durch eine Stahlrohr-Tribüne. Zeitgleich wurde das Flutlicht auf den Regenbogen-Masten in Betrieb genommen. Durch die Umbaumaßnahmen senkte sich die Kapazität auf 15.500 Zuschauer. Wie die nachfolgenden Bilder zeigen, überstanden einige Bäume, unter anderem die markanten Pappeln, die Arbeiten (und stehen teilweise heute noch).








 

 

Umbauten in jüngerer Zeit

2003 wurde die Videowand nochmals erneuert. Einen großen Einschnitt gab es außerdem 2007: Der Block 1 mit seinen unebenen Stufen – vom Fürther auch gerne Gaaferer-Block, Rentner-Block oder Sabber-Block genannt, weil dort das besonders kritische Publikum stand – wurde als noch markantes, sichtbares Überbleibsel des "alten" Ronhofs entfernt. Ausschlaggebend hierfür war eine - unnötige? - Auflage der DFL, wonach Block 1 wegen fehlenden Wellenbrechern und Erdstufen ein Sicherheitsrisiko darstellte (passiert ist bis dahin aber nie was - gerade den jüngsten Kleeblatt-Fans machte es oft Spaß, dort mit Eimerchen und Förmchen "Kuchen" zu backen). Für viele war es ein schmerzhafter Verlust - nichtsdestotrotz gab es tolle Fundstücke aus der Vergangenheit!

  

   

Anfangs stand an seiner Stelle erst ein Container mit Schornstein für die ebenfalls 2007 verlegte Rasenheizung. Die Bauphasen standen also ganz im Zeichen der Ronhof-Modernisierung – was sich auch daran zeigt, dass die alten Holzbänke der Haupttribüne durch ergonomische Plastiksitze ersetzt wurden.



Ausschlaggebend waren auch in diesem Fall Auflagen der DFL:  Holzbänke sind nicht zeitgemäß und die bis dahin wohl für den Profifußball einmalige Durchmischung von VIPs mit Spielern innerhalb der Haupttribüne darf nicht sein. So entstand 2008 innerhalb kürzester Zeit die VIP-Nord, ein Gebäude aus Modulbauweise mit großer Glasfassade und VIP-Logen. Sie wurde für ca. 700 Zuschauer errichtet. 



Auch ein langgehegter Wunsch uns Fans ging in Erfüllung: Die Nordtribüne wurde überdacht,

 

das Fangnetz komplett entfernt (dieses ist jetzt aufgrund von DFL-Regelungen leider wieder da), die Werbebanden an den Fanblöcken entfernt und dadurch Platz für Zaunfahnen geschaffen. Weitere optische Maßnahmen wurden am Ronhof durchgeführt (Runderneuerung der Bestuhlung...).

In der Sommerpause 2010 fanden weitere "Umbaumaßnahmen" statt: Seitdem erstrahlt die Haupttribühne komplett gestrichen in weiß und grün, die blaue Bestuhlung wurde vollständig durch grüne ausgewechselt und die Sanitäranlagen in der HT erneuert. Erstmals in der Geschichte des Sportparks ist das Stadion somit in den Vereinsfarben weiß-grün bestuhlt. Das Kleeblatt prangte anfangs symbolisch auf der Haupttribüne und in Schriftform auf der Gegengerade. Auf der Haupttribüne musste es jedoch beheizten Sitzen weichen.

Tradition, Heimat, Zukunft nannte es der Verein Ende der 2000er Jahre - eine Traditionsstätte und ehrwürdige Heimat ist es seit über 100 Jahren für jeden Kleeblatt-Fan. Eine Heimat, die durch nichts zu ersetzen ist und ein Stadion, dass niemand für eine noch so moderne Arena eintauschen würde. Bedacht Schritt für Schritt der Moderne angepasst, statt aufgegeben.  Bilder vom Umbau. Bilder nach dem Umbau.

 

© alle Bilder: http://www.kleeblatt-chronik.de (Bereich Chronik)










© Copyright: Kurvenfotografie http://www.spvgg-fuerth.com
Faszination Fürth http://www.faszination-fuerth.de

 

Einen weiteren Umbau erfuhr der Sportpark in der Sommerpause 2012: Bis auf den Gästeblock wurde die Südkurve komplett abgebaut und in kürzester Zeit für die Bundesliga wieder aufgebaut: 18.000 Zuschauer fasst das Stadion seitdem. Die "neue" Südtribüne erhielt ein Dach, an welchem wiederum "Nester" für Fernsehkameras angebracht wurden. Der Gästeblock wurde nach oben hin leicht vergrößert und ist nun ebenfalls überdacht. Das Erscheinungsbild des Stadions wurde dadurch nochmals erheblich verändert. Auf der Südtribüne kam mit dem "Lohner" ein weiterer Stehplatz-Block hinzu und auch der bis dahin im Block 9 beheimatete Familienblock wurde auf der neuen Süd deutlich vergrößert.

Mit den Umbauarbeiten 2012 gingen weitere Veränderungen einher: Die bis dahin gelben Fluchtwege-Markierungen wurden ersetzt durch grüne Markierungen ersetzt. Die bisherige Holz-Vortribüne wurde durch eine etwa 1.000 Zuschauer fassende Stahlrohr-Vortribüne ersetzt. Veränderungen gab es auch auf der Nordtribüne: Die aktive Szene strich alle Wellenbrecher in den Vereinsfarben, gestaltete den Eingangsbereich von Block 12 / 3 neu und brachte die Vereinsfarben auch an die "Rückwände" der Nordtribüne. Neue Fanstände wurden ebenfalls eingeweiht und farblich gestaltet. Die Veränderungen an der Nordtribüne fanden 2011 und 2012 statt und wurden im Wesentlichen von den Fans selbst vorgenommen. 2012 wurde außerdem bekanntgegeben, dass der Pachtvertrag für den Ronhof verlängert wurde und ein Stadionneubau in der Südstadt somit hinfällig ist. Stattdessen werden - wie zuletzt - am bisherigen Standort Veränderungen vorgenommen. Stück für Stück soll der Ronhof auf diese Weise modernisiert werden und der Geist des alten Ronhofs erhalten bleiben bzw. aufgefrischt werden.

 


Ein tolles Panorama vom gegenwärtigen Sportpark Ronhof gibt es hier. Bilder von den Umbauarbeiten 2012 und dem "Danach" gibt es hier.

Stadionnamen

Fürth war Vorreiter bei der Vermarktung des Stadion-Namens: Nachdem Horst Brandstätter von der Firma Geobra / Playmobil den Sportpark Ronhof 1983 abgekauft hat (die SpVgg hatte zu dieser Zeit eine riesige Schuldenlast), setzte sich dieser 1997 auch maßgeblich für das neue Stadion ein, weshalb man ihm den Stadionname widmete. Bis 2009 konnten sich auch viele auswärtige Fans über diesen Name lustig machen bis man mit Trolli einen neuen Namensgeber und eine neue Geldquelle fand. So heißt das Stadion offiziell (!) ab der Saison 2010 / 2011 Trolli-Arena (was hier jetzt einfach mal komplett unkommentiert bleiben soll) und sorgt für Einnahmen im sechsstelligen Bereich. Viele Fans konnten diesen Schritt nicht nachvollziehen, was auch Spruchbänder im Fanblock 12 zeigten: „Greuther, Playmobil, Trolli – Tradition, Heimat, Zukunft? – Wollt ihr uns verarschen?“ lautete die deutliche Botschaft. Zusätzlich signalisierte man mit einer großen Zaunfahne und diversen Schwenkern, unter welchem Name das 100 Jahre alte Stadion immer im Herzen aller Kleeblatt-Fans bleiben wird: Unser SPORTPARK RONHOF

Textquellen: SpVgg Fürth Chronik (http://www.kleeblatt-chronik.de/v3/chronik/), Wikipedia-Eintrag und Fürth-Wiki, Buch "Let's go G. Fürth", eigene Erfahrungen, spvgg.de.

Vielen Dank auch an Johannes H. von Faszination Fürth / Kurvenfotografie für die Bereitstellung der Bilder!
 












 

© Copyright: Kurvenfotografie http://www.spvgg-fuerth.com



Ein "Wahrzeichen" verändert sein Gesicht: Die Regenbogen-Flutlichmasten

Juli 1999 war es soweit: Der Sportpark Ronhof erhielt erstmals eine Flutlichtanlage:
30 Hochleistungsscheinwerfer beleuchten das Spielfeld, zwei sind gen Tribünen gerichtet, in 35 Metern Höhe - und das vier mal.

Eine Besonderheit war und ist die Farbgestaltung der Masten: Seit nunmehr 12 Jahren zeigen die Regenbogen-Flutlichtmasten schon von weitem den Weg zum Sportpark Ronhof. Jahrelang prägten sie so das Stadtbild vom Fürther Stadtteil Ronhof und sorgten stets für Diskussionen: Dem einen gefielen sie -  dem anderen nicht - wieder andere vergliechen die Farben mit dem, wie sich Fürth seinen Gästen zeigt: Farbenfroh und vielfältig. Eine Besonderheit der Flutlichtanlage war vor allem auch, dass ihr Regenbogen-Design einzigartig im Vergleich zu anderen deutschen Stadien war. Diese Einzigartigkeit zieht sich über die Architektur des gesamten restlichen Stadions fort und bietet einen Kontrast zum langweiligen Arenen-Einheitsbrei.

Eingeweiht wurde das Flutlicht übrigens am 20. August 1999 mit einem großen Feuerwerk. Bilder vom Aufbau und der Einweihungszeremonie gibt es in der Chronik der SpVgg Fürth. Zusammengesetzt wurden die 35-Meter-Masten aus Einzelelementen mit einem Autokran.

Kurioses ereignete sich 2007 auf dem Flutlichtmast bei Block 9: Ein Turmfalke bezog Quartier und baute in luftiger Höhe sein Nest mit bestem Blick aufs Spielfeld. Während dieser ins Winterlager flog, wurde sein Nest durch einen Nistkasten ersetzt. Alle Flutlichter wurden vorbeugend mit Netzen gegen weitere Nester gesichert.

2011 wird sich jedoch das Bild der "Wahrzeichen" wandeln: Das Fürther Versorgungsunternehmen INFRA Fürth lässt die mittlererweile schon etwas verbleichten Flutlichtmasten in den Stadt- und Vereinsfarben weiß-grün streichen. Passend zum übrigen Stadion, welches bereits komplett weiß-grün bestuhlt ist.



 

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